Von 5000 gelöschten Wörtern und Sackgassen mit Hintertür

Mein Buch hat mittlerweile stolze 59 Seiten und 6 Kapitel. Die Leute, denen ich es zum Probelesen gegeben hatte, fanden es toll und viele gaben zu, dass sie an manchen Stellen laut lachen mussten. Das ist für mich bereits ein gutes Zeichen, dass es in die richtige Richtung geht.

Ich weiß, ich bin hier ein wenig untergetaucht in letzter Zeit. Das liegt aber lediglich daran, dass ich so in meinem Schreibfluss war, dass ich nichts anderes außer dem Word-Dokument vor Augen hatte, dessen Seitenzahlen teilweise exponentiell stiegen, wenn ich wie eine Wilde auf die Tastatur hämmerte. Neulich hatte ich aber eine wahnsinnige Schreibblockade. Und da ich noch auf tumblr aktiv bin (eine andere Bloggingseite), habe ich da ein wenig rumgeschnüffelt.

Ein Blog, der selbst Geschichten schreibt, hat einen tollen Tipp gepostet. Lösche die letzten 5000 Wörter. Das klang für mich am Anfang wahnsinnig radikal und die Vorstellung, dass 5000 sorgsam ausgewählte Worte einfach eliminiert werden sollten, machte mir Angst. Ich fühlte mich tatsächlich so, als würde ich meiner Figur plötzlich die Arme rausreißen, um neue einzusetzen. Dann gäbe es kein Zurück mehr. Wir ignorieren mal den „Rückgängig machen“-Knopf bei Word. Ich markierte brav die letzten 5000 Wörter, doch ich brachte es einfach nicht über mich, auf die Taste entf zu drücken. Also schloss ich das Dokument stattdessen und nahm mir vor, es morgen noch einmal zu versuchen.

Aber auch am nächsten Tag saß ich gefrustet an der 45-sten Seite und starrte auf den letzten Satz. Und Gertrud sagte:

Ja, was sagte die Gute denn? Ich dachte zurück an den Tipp und markierte jedoch statt 5000 nur 200 Wörter. Und – ZACK – mein Finger versenkte die Taste entf. Es war weg. Ich atmete aus und sah mir den übrigen Text an. Aber auch damit konnte ich nix anfangen. Noch einmal 200 Wörter im Papierkorb. Und nun ging’s. Ich schrieb drauf los und schnell hatte ich nicht nur die 400 Wörter wieder intus, sondern auch noch knapp 200 on top! Die Handlung nahm eine andere Wendung. Aber jetzt kommt das Interessante:

Ich hatte im Grunde nichts anderes geschrieben. Eventuell hatte ich einfach die vorherige Handlung umgeschrieben und während des Schreibens, hatte ich bereits die Befürchtung, dass ich in die selbe Sackgasse rase. Eine Sackgasse mit einer Hintertür wie sich herausstellte, denn eine einfach Satzänderung hatte mir geholfen. Eine Freundin der Protagonistin war in der vorherigen Fassung stumm geblieben, in dieser neuen, nur dezent abgeänderten Version sagt sie jedoch etwas Riskantes, was alle Beteiligten in eine brenzlige Situation bringt. Immer noch bin ich fasziniert wie einfach es war. Der Tipp mit den 5000 Wörtern war mir zu extrem und als ich ihn doch in der light-Version anwendete, war der Outcome ein völlig anderer als erwartet. Denn der tumblr-Post sah voraus, dass die Handlung sich dann völlig ändert. Vielleicht ist das auch der Fall, wenn man 5000 Wörter löscht. Aber die gelöschten und teilweise wieder zum Leben erweckten 400 Wörter waren das, was ich brauchte, um die Protagonisten weiter in ihr Abentuer zu stürzen.

3 Kommentare zu „Von 5000 gelöschten Wörtern und Sackgassen mit Hintertür

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