Von Prostituierten und anderen ÖV – Part 2

Weiter geht’s mit den Abenteuern bei der Deutschen Bahn! Nachdem nun allen klar sein sollte, wieso diese Erzählung so heißt wie sie heißt, fahre ich fort mit meinen Beobachtungen.

Ich kam also in Köln an und der Zug hatte selbstverständlich Verspätung. Der nächste Zug fuhr mir vor der Nase weg. Erfahrungsgemäß wusste ich, dass meine nächste Verbindung in 15 Minuten wäre. Nur darf ich nicht einfach mit dem Sparbillet da rein, sondern muss mir zuerst von der Information das Ticket unterschreiben lassen „Zug hatte Verspätung“. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits gute 7 Stunden unterwegs und wollte nur noch nachhause. Also ging ich so schnell mich meine Beine tragen und der Koffer rollen konnte zum nächsten Informationsstand, damit ich zügig diese Unterschrift bekommen konnte.

Es wäre doch zu schön gewesen, wenn das funktioniert hätte. Ich kam an und es war schon eine ellenlange Schlange an Menschen. Grund dafür war, dass nur zwei Schalter besetzt waren und beides Azubinen waren, die mit ihrem Ausbilder arbeiteten. Notiz am Rande: Ich habe wirklich, wirklich Verständnis, dass Leute Zeit brauchen, um Dinge zu lernen. Ich bin wahrscheinlich der anstrengendste Schüler überhaupt, weil ich echt lange brauche, um etwas zu verstehen. Ein wenig gestresst stand ich dann vor dem Schalter. Der nächste Zug in 10 Minuten. Die Azubine fragte in einem schläfrigen Ton: „Ja bitte?“ Ich erklärte schnell und kompakt den Sachverhalt (ich bin ja kein Amateur mehr, was Zugverspätungen anbelangt): Meinen verspäteten Zug, die verspätete Zeit und dass ich gerne die nächste Verbindung nehmen würde. Nervöser Blick zur Uhr…. noch 6 Minuten. Die Azubine guckte mich etwas verklärt an und fragte: „Was kann ich für Sie tun?“ Ich wiederholte genervt meinen Text: „Mein ICE 305 aus Basel hatte 7 Minuten Verspätung und deshalb habe ich den ICE 93 nach Bielefeld verpasst. Ich wüsste gerne, welche Verbindung ich jetzt nehmen darf.“

Wieder ein fragender Blick. Sprech ich eigentlich Spanisch?, fragte ich mich. „Darf ich mal Ihr Ticket sehen?“ Ich reichte den Zettel über die Theke.

„Ich verstehe Ihr Problem nicht.“ Sprachlosigkeit beschrieb meinen Zustand nicht genug.

„Bitte?“

„Sie hätten Ihren Zug doch kriegen müssen.“ Ich starrte sie etwas fassungslos an. Sie fuhr fort: „Sie hatten doch 7 Minuten Umstiegzeit.“

Ich antwortete schon in einem angefressenen, langsamen Ton: „Ich habe doch gerade gesagt, dass mein Zug 7 Minuten Verspätung hatte.“

Da griff (zum Glück) die Ausbilderin ein und entschärfte die Situation und erklärte der Azubine noch einmal, dass ich den Zug nicht bekommen habe, weil der vorherige Zug verspätet war. Mein Blick huschte immer wieder auf mein Handy. In 4 Minuten fuhr mein nächster Zug. Die Azubine hat mittlerweile verstanden, dass ich meinen Anschluss nicht erreicht habe und nickte. Dann sagte sie: „Also Sie brauchen ein Ticket nach Basel?“

Ich muss wie ein Auto geguckt haben. Sie hatte doch mein Ticket in der Hand. Da stand drauf, dass ich gerade aus Basel kam und nach Bielefeld reisen wollte.

Da platzte mir (leider) der Kragen und ich fuhr sie an: „Ich habe Ihnen doch gerade gesagt, dass ich aus Basel komme. Und auf dem Ticket steht es auch nochmal, dass ich aus Basel komme. Wieso sollte ich da jetzt wieder zurückfahren wollen?!“ Die Ausbildende wies mich zurecht und giftete zurück, dass ich für die Azubis mehr Verständnis aufbringen sollte. In dem Moment konnte ich das aber nicht. Mein Zug, den ich locker bekommen hätte, war weg, was bedeutete, dass ich (wie ich Alessio bereits im ersten Teil zitiert hatte) „wie eine Prostituierte 30 Minuten in der Kälte warten musste und für das Geld nicht befriedigt wurde“.

2 Kommentare zu „Von Prostituierten und anderen ÖV – Part 2

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  1. Meine Güte, wie entnervend. Ich fahre seit einer Weile auch wieder mit den ÖV und es verging bisher kein Tag, an dem das fahrplanmäßig ablief. Immerhin sorgen die besonderen „What the fuck!?!“ Momente für gute Geschichten im Nachhinein^^

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  2. ohhhhh ja. In meinen 3 Jahren Bachelorstudium musste ich tagtäglich 2 Stunden fahren (hätte eig. auch schneller gehen können, aber ayyyyy) und in diesen 3 Jahren war es nieeeee fahrplanmäßig

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