Von Prostituierten und anderen ÖV – Part 1

Okay, ich möchte vorab eine Entwarnung geben. Ich werde weder über Prostitution noch über andere etwaige Tätigkeiten schreiben. Eigentliche möchte ich nur meinem Unmut gegenüber der deutschen Infrastruktur Luft machen.

Neulich redete ich mit einem sehr guten Freund von mir (ich nenne ihn mal Alessio). Er pendelte, so wie ich zu meinen Bachelorzeiten, ein gutes Stück mit dem Zug bis zu seiner Uni. Und vor allem bei solchen Minusgraden ist es besonders lästig auf den verspäteten Zug warten zu müssen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man zu spät zur Vorlesung kommt.

Neulich hatte ich mich daran zurück erinnert, wie ich zu meiner FH gependelt bin. 2 Stunden brauchte ich mit dem Zug (mit dem Auto hingegen waren es 45 Minuten – da sehen wir mal wieder die tolle Vernetzung). Für 8-Uhr-Vorlesungen stand ich also um 4 Uhr morgens auf, da ich grundsätzlich eine Bahn früher nahm. Denn wie des Öfteren begrüßte mich unser Hauptbahnhof mit den Anzeigen „etwa xy Minuten später“ oder sogar dem Oldtime-Klassiker „Zug fällt aus“. Einmal hatte mein Zug sogar 120 Minuten Verspätung! Da bin ich dann aber auch wieder nachhause gegangen, weil ich die Vorlesung eh nicht mehr rechtzeitig erreicht hätte. Am liebsten war es mir natürlich, wenn ich schon in meinem Regio-Express saß und wir mitten in der Pampa stehen blieben, weil ein Fernzug aufgrund von Verspätung überholen musste. Teilweise standen wir zwanzig Minuten. Und bis heute wird es mir nicht klar, nach welcher Logik das entschieden wird. Ein Zug hat bereits Verspätung – kommt, lasst uns alle anderen Züge auch verspäten! Denn da mein Zug dann unpünktlich ankam, erreichte ich meinen Anschluss grundsätzlich nicht. Und leider Gottes fuhr ich regional, weshalb (ganz im Gegensatz zu den Fernzügen) natürlich kein Zug auf den jeweils anderen wartete. Ich gewöhnte mich schon daran, dass ich dann in der Kälte eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten musste.

Zugegeben: Ich bin ein verwöhntes Kind. Da ich sehr viel Zug in der Schweiz fahre, wo ich im übrigen auch eine Bahncard habe, vergleiche ich es immer mit Deutschland. In der Schweiz habe ich in meinem gesamten Leben erst einmal gesehen, dass ein Zug Verspätung hatte – und es waren auch nur 10 Minuten. Ansonsten kommen alle Züge immer pünktlich und überhaupt gibt es tausende Möglichkeiten eine alternative Verbindung zu wählen. Einmal fuhr ich aus der Schweiz zurück. Bis nach Basel SBB mit der SBB (Schweizerische Bundesbahn). Ab da hätte ich auf die DB umrüsten müssen. Schon gleich mein erster Zug: „Zug fällt aus“. Sehr verärgert und schon gleich zu Beginn der Reise entnervt ging ich zum nächsten Infoschalter. Da ich mich noch auf schweizerischen Boden befand, war es ein Stand der SBB. Sie war sehr freundlich (im Gegensatz zu den Infoständen der DB, zu welchen ich in einem anderen Beitrag etwas schreiben werde) und ich fragte sie, was ich nun tun soll, denn ich hatte Sparpreistickets und könnte nicht jeden Zug nehmen. Sie nickte verständnisvoll und bat mich mein Ticket vorzuzeigen. Sobald sie es sah, wurde aus ihrem freundlichen Lachen, ein mitleidiges, schiefes Lächeln. „Entschuldigung, wir können da nichts tun. Sie fahren mit der Deutschen Bahn. Das tut mir leid.“ (Bis heute glaube ich, dass das „Tut mir leid“ dem galt, dass ich mit der DB reise). Glücklicherweise fuhr der Zug dann aber plötzlich doch, ohne irgendeine Erklärung, aber nur bis Freiburg und nicht bis zu der Station, zu der er eigentlich hätte fahren sollen.

Aber zurück zu meiner Überschrift und Alessio, der die Inspiration zu diesem Titel gab. Ich drücke es in seiner Art aus: „Man wartet wie eine Prostituierte draußen in der Kälte, teilweise stundenlang, und wird für das Geld nicht befriedigt mit der präsentierten Leistung.“

2 Kommentare zu „Von Prostituierten und anderen ÖV – Part 1

Gib deinen ab

  1. Und scheint es auch Wahnsinn, so hat’s doch Methode, schrieb schon Shakespeare. Ich war lange Zeit ein bedingungsloser Verfechter der Deutschen Bahn-doch so langsam reicht es mir auch. Ich habe in England in den 90ern erlebt, wohin es führt, die Bahn zu privatisieren, dann in den 2000ern in Berlin der Wahnsinn mit der S-Bahn und jetzt die DB. Glückliche Schweiz, die sich auf solche Experimente nie einließ. 🙂

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